"Wir sind dann mal weg"

Besuch in der Staatsgalerie
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Haus Veronika unterstützt Projekt "Kultur für Menschen mit Demenz"

Immer öfter machen sich die Bewohner der Hausgemeinschaften St. Vinzenz und St. Anna auf den Weg. Sie verlassen das Haus Veronika und ‚machen in Kultur.’ Mit der U-Bahn ins Museum oder ins Varieté, in den Sinnesgarten oder auch zum Gottesdienst in die Kirche. 

Das Projekt: Idee und Entwicklung

Kultur für Menschen mit Demenz? Macht das Sinn? „Eindeutig: ja!“ meint Hans-Robert Schlecht. Gemeinsam mit seinem Sohn Florian gründete er das Büro „RosenResli - Kultur für Menschen mit Demenz“. „Rosenresli“ entwickelte - auch mit Unterstützung durch das Haus Veronika - dieses für Deutschland neuartige Projekt. Es soll den Betroffenen (und deren Angehörigen) helfen, ihr Leben trotz Demenz in Würde leben zu können - egal ob in Heimen, in Wohngruppen oder in der Familie.
Hierzu organisiert und konzipiert „RosenResli“ ein Programm: Museum, Theater, Konzert, Oper, Lesungen, Gottesdienste und Ausflüge in den Sinnesgarten oder zum Haus des Waldes.
Dem Projekt liegt das Verständnis zugrunde, dass Demenz keine Erinnerungen raubt, sondern diese gespeichert sind und bleiben. „Demenz betrifft nur jenen Teil des Gehirns, der auf die Erinnerungen zugreift. Es ist, als ob man die Erinnerungen in einen Tresor gesteckt und dann den Schlüssel verloren hat. Die mit den Erinnerungen verbundenen Emotionen jedoch sind immer da“, so Hans-Robert Schlecht. „Und wenn die ‚sprachlosen’ Menschen beim Kontakt mit der Kultur sehr emotional wieder ins Gespräch kommen, dann sind diese Menschen glücklich angekommen.“

Vier gute Gründe, das Projekt zu unterstützen
von Ralf Egenolf-Stohr, Leitung Haus Veronika 

1. Sinnesanregung

Ein maßvolles Angebot an unterschiedlichen Reizen (Augen, Ohren, Nase, Haut) wirkt anregend auf die Gehirnaktivität der Teilnehmer. Diese Anregung der Gehirnfunktion kann auch auf die Gehirnstruktur (Nervenzellverbindungen) wirken und somit die individuelle Entwicklung der Demenzerkrankung positiv beeinflussen.  

2. Zugangswege

Die beschriebenen Sinneserfahrungen bieten Möglichkeiten, Zugang zu an Demenz erkrankten Menschen zu finden, die über andere Wege nur schwer zu erreichen sind. Intensive Ausdrucksformen wie Farb- und Bildkompositionen, Symbole oder Klangbilder können auch bei fortgeschrittener Demenz aufgenommen werden. 

3. Erinnerungspflege

Wenn Kultur im „früheren“ Leben der Betroffenen z.B. in Form von Theater- oder Museumsbesuchen von Bedeutung war, dann ist dies als Erfahrungswelt im biographischen Gedächtnis erhalten, mit positiven Assoziationen besetzt und kann neu belebt werden.

 4. Entstigmatisierung

Die Begegnung „Kultur und Demenz“ findet bei diesem Projekt nicht im geschützten Rahmen statt, sondern Kultureinrichtungen öffnen sich für diesen Personenkreis. Das Projekt kann so helfen, Berührungsängste abzubauen und das negative gesellschaftliche Bild von Demenz zu verändern.


Für weitere Informationen zu diesem Projekt wenden Sie sich bitte an:

Hans-Robert Schlecht         oder            Ralf Egenolf-Stohr
rosen-resli[at]gmx-net                        ralf.egenolf-stohr[at]vinzenz.de

Aus der Region Tübingen | Stuttgart , von  Evelyn Treudler , 31. Mär. 2009
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