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Mit Spaß und Agilität gegen Demenz

Mit Spaß und Aktivität trotzen die Teilnehmer der Demenzgruppe gemeinsam mit ihren Betreuern der Krankheit. © Foto: Sabine Ackermann

Mit Spaß und Aktivität trotzen die Teilnehmer der Demenzgruppe gemeinsam mit ihren Betreuern der Krankheit.

Artikel aus der Südwestpresse
von Sabine Ackermann 19.01.2018

Fröhliches Stimmengewirr klingt aus dem St. Michael­saal, was da wohl los sein mag? Es ist der erste Montagnachmittag nach den Feiertagen, an dem sich Demenzgruppe der gemeinnützigen Vinvenz von Paul wieder trifft. Sowohl die Betroffenen, als auch ihre ehrenamtlichen Betreuer, haben sich lange nicht mehr gesehen – es gibt jede Menge zu erzählen.

Und wie schön, heute ist ein neues Mitglied dabei. Mit Heinz Weber bekommt Harro Hinrichs, „der Mann der ersten Stunde“ wie er stolz berichtet, „endlich“ wieder männliche Verstärkung. „Ich guck mir das erst einmal an“, lautete Hinrichs Antwort, als er im Oktober letzten Jahres angesprochen wurde ob er Lust hätte, mitzumachen.  Und seitdem fühlt er sich dort richtig wohl. „Das Angebot besteht aus Gedächtnistraining, Gesprächsrunden, Gymnastik und Spielangeboten wie Kegeln oder Boule“, berichtet Petra Heer-Weber, „aber wir singen und musizieren auch“.

Bereicherung durchs Helfen

Unterstützt wird die Gruppenleiterin von weiteren ehrenamtlichen Helferinnen, wie beispielsweise Claudia Nitsche, die wie alle Betreuerinnen eine Schulung besucht hat. „Als Hausfrau bereichern mich die Treffen sehr. Man bekommt so viel Dankbarkeit zurück, geht heim und ist selig“, betont Helga Lais und auch Elisabeth Christ mag ihre Arbeit sowie die Leute „total“, wie sie sagt. Auch Helga Händle findet Erfüllung im Ehrenamt. „Die Menschen haben trotz ihrer Demenz so viel Humor und Lebensweisheit, da kann man auch mal was für Gottes Lohn machen.“

Heute steht Kegeln auf dem Programm. „Mein lieber Schieber“, „Super“ oder „Guck, wenn du auf mich hörst, läuft’s“, motivieren die Zaungäste am Rand der „Kegelbahn“ und freuen sich mit, wenn die Kugel in die Vollen trifft. Da spielt es auch keine Rolle, wie viele Kegel umfallen, der Wurf haarscharf vorbeischrammt oder ins Leere geht: Im Vordergrund steht eh der Spaß. „Ein bisschen Bewegung zwischendurch ist eine schöne Abwechslung zum Kaffeeklatsch, den Rätseln oder Gedächtnis- und Würfelspielen“, heißt es unisono in der Runde.

Beim Letzteren dreht sich diesmal alles um die „Heiligen drei Könige“, wie man unschwer am liebevoll geschmückten Tisch erkennen kann. „Das machen wir immer so, wir legen großen Wert auf eine schöne und gemütliche Atmosphäre“, verraten die Helfer. Petra Heer-Weber denkt sich zu jedem Treffen ein neues, zur Jahreszeit passendes Thema aus und verteilt die in extra großer Schrift gehaltenen Arbeitsblätter an die Senioren. Entweder, es werden entsprechende Begriffe zu den vorgegebenen Anfangsbuchstaben gesucht oder Fragen gestellt. Kommen die drei Weisen aus dem Abendland? Steht in der Bibel, dass einer der Könige „schwarze Haut“ hatte? Wer die Antwort weiß, muss dann nur wahr oder falsch ankreuzen. „Die kleinen Übungen kommen gut an, gemeinsam wird gerätselt und sich gegenseitig geholfen“, verrät die Gruppenleiterin.

Aufmerksamkeit verlangen die vorgelesenen Textpassagen. Hören die Senioren da gut zu, fällt es den meisten auch nicht schwer, die besonderen Inhalte wiederzugeben. Annemarie Schellmann kommt gerne wieder. Die Rechberghäuserin erzählt: „Mich hat jemand auf das Angebot hingewiesen und mir gefällt es gut, ich finde es hier sehr gemütlich“. Die meisten in der Demenzgruppe sind von Anfang dabei, nach und nach gesellten sich weitere Gäste dazu, so wie Heinz Weber. Dennoch ist ihm das Angebot nicht unbekannt: „Normalerweise bin ich in Wäschenbeuren, aber hier geht es auch lustig zu“, erzählt er.


Aus der Region Göppingen , von  Gabriele Roth , 22. Jan. 2018
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