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Hohe Auszeichnung für Schwester Bonavita

| Region Wangen im Allgäu

Hohe Auszeichnung für Schwester Bonavita

Für ihre Arbeit im Seniorenzentrum St. Vinzenz in Wangen wurde Schwester Bonavita Löhr die Staufermedaille verliehen, die höchste Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg. 

Eigentlich möchte die 84-jährige Schwester Bonavita so gar nicht im Mittelpunkt stehen. Doch bei der Verleihung der Staufermedaille im Wangener Rathaus am Dienstagnachmittag blieb das ein frommer Wunsch. Denn 90 Gäste hatten sich im historischen Sitzungssaal eingefunden, um sie zu feiern und ihr zu gratulieren. 

Der Hausherr, Oberbürgermeister Michael Lang, sieht in der Auszeichnung für Schwester Bonavita auch eine Würdigung der Arbeit der Vinzentinerinnen in der Allgäustadt insgesamt. „Die Schwestern haben die soziale Entwicklung unserer Stadt maßgeblich geprägt“, betonte er in seiner Rede. Und erinnerte an die mehr als 170 Jahre, in denen sie sich um die Krankenpflege, die Kindererziehung und ab 1903 auf dem Gelände der Baumwollspinnerei ERBA um die Arbeiterinnen kümmerten. In dieser Tradition des Helfens stehe auch Schwester Bonavita, die 1999 nach Wangen kam und zuvor 33 Jahre für ihren Orden in verschiedenen Kindertagesstätten gearbeitet hatte.

Ein ganz neues Arbeitsfeld erschloss sich damals für sie: Die Arbeit mit Senioren, den Angehörigen und – bald ein Schwerpunkt – die Begleitung von Sterbenden. „Sie begleiten Menschen in den entscheidenden Momenten, sind eine wirkliche Schwester für sie und haben sich dabei nie geschont“, so Lang. Die Urkunde und die Medaille übereichte er im Namen des eben aus dem Amt geschiedenen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann – „als Dank und Anerkennung für besondere Verdienste um unser Land Baden-Württemberg“.

Zur Verleihung angereist waren auch der Geschäftsführer der Vinzenz von Paul gGmbH Roy Hummel und der jüngst ausgeschiedene Geschäftsführer Jörg Allgayer. „Wer Schwester Bonavita begegnet, spürt sofort ihre besondere Art“, so Roy Hummel. Er habe den größten Respekt vor ihrer Lebensleistung. „Sie versteht es, Glauben lebensnah zu vermitteln. Schwester Bonavita hat unzählige Leben begleitet, auch an deren Ende. Die Staufermedaille ist deshalb mehr als verdient.“ 

Es gab Grußworte des Franziskaner-Bruders Pascal vom Wangener Klösterle und der evangelischen Pfarrerin Eilsabeth Jooß. „Schwester Bonavita ist wie la Mamma in einer italienischen Großfamilie, sie ist die Konstante bei Vinzenz von Paul in Wangen“, fasste Bruder Pascal seine Erfahrungen zusammen. 

Als die Gewürdigte schließlich selbst zu Wort kam, meinte man zu spüren, wie es im Raum tatsächlich etwas heller wurde. Roy Hummel hatte auf dieses Phänomen schon angespielt. Sie sei erst sehr erschrocken gewesen, als sie von dem Preis erfahren habe, gesteht Schwester Bonavita in der ihr typischen Bescheidenheit. Erst als in einem Traum ein großer Stern in viele kleine zerfallen sei, sei sie beruhigt gewesen: Die Auszeichnung sehe sie als Anerkennung für die Arbeit der Vinzentinerinnen in Wangen, nicht nur für ihre eigene. Sie erzählte von der geliebten Arbeit als Kindergärtnerin – einem aus der Mode gekommenen Begriff, den sie immer noch schätzt. Und von der erfüllenden Arbeit in Wangen bei St. Vinzenz: „Ich sehe immer den ganzen Menschen, begegne ihm auf Augenhöhe. Menschen beim Sterben zu begleiten, ist ein Geschenk, Schmerz, Freude und Trauer in einem. Ich weiß mich in allem immer getragen von Gottes Liebe und Barmherzigkeit“, schloss sie ihre Rede.