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Persönliche Vorlieben ziehen mit ein

| Region Schwäbisch Gmünd

Persönliche Vorlieben ziehen mit ein

In einer Senioren-WG gestalten Bewohner und Angehörige den Alltag mit – sie kann eine Alternative zu klassischen Pflegeeinrichtungen sein.

Freie Plätze in stationären Pflegeeinrichtungen sind schwer zu finden – und die Situation wird sich zukünftig  weiter zuspitzen. Das weiß auch Oberbürgermeister Richard Arnold: „Unsere Gesellschaft wird immer älter. Deshalb brauchen wir in Schwäbisch Gmünd dringend mehr Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten für Senioren. Besonders gefragt sind hier neue und innovative Konzepte, die die klassische stationäre Pflege ergänzen. Ein solches Angebot ist die ambulant betreute Senioren-Wohngemeinschaft in der Schwerzerallee. Die Vinzenz von Paul gGmbH hat hier eine besondere Wohnform geschaffen für Menschen mit Pflegebedarf, die zwar für sich sein wollen, aber gleichzeitig nicht alleine und ausgegrenzt. Von solchen Lösungen, wie Wohngemeinschaften, wo man sich gegenseitig kennt, und sich auch umeinander kümmert, brauchen wir in Zukunft dringend mehr.“ Ein weiterer Vorteil: Das Wohnen in einer Senioren-WG ist oft günstiger als in einer klassischen Pflegeeinrichtung.

So, wie man möchte
Auch der Vater von Sabine Tobiasch lebt in der Senioren-WG in der Schwerzerallee. Ihre Besuche zum Spielenachmittag mit dem 88-Jährigen münden meist in eine lebhafte Runde, denn weitere Mitspieler aus der WG finden sich eigentlich immer. Heike Fahlberg und ihre Mutter ziehen sich dagegen oft in deren Zimmer zurück, um in Ruhe reden zu können. Auch das ist in der Wohngemeinschaft kein Problem. „Es wird einfach jeder und jede da abgeholt, wo sie stehen“, sagt Heike Fahlberg. 
Beide Frauen sind sehr froh darüber, dass ihre Angehörigen in der WG mit den hellen, gemütlich eingerichteten Räumen ein neues Zuhause gefunden haben. Tobiaschs Vater konnte aufgrund seiner fortschreitenden Demenz nicht länger in seinem Haus bleiben. In der WG fühlte er sich aber schnell wohl. Denn als Mieter kann er viele seiner Gewohnheiten beibehalten – zum Beispiel das späte Frühstück mit dem geliebten Honigbrot.

Heike Fahlbergs Mutter gehörte zu den ersten, die 2023 in die Wohngemeinschaft einzogen. Sie war damals noch mobil und in Pflegestufe 2 eingestuft, wenngleich sich erste Anzeichen von Demenz zeigten. Mittlerweile ist die Dame 92 und bei Pflegestufe 5 angelangt, aber weiterhin in der WG bestens versorgt. 

Pflege durch ambulanten Dienst sichergestellt
Die Pflegeaufgaben übernimmt ein ambulanter Pflegedienst, der täglich zweimal vor Ort ist. Grundsätzlich können die Bewohnerinnen und Bewohner ihn frei wählen. Aktuell haben sie sich alle für eine gemeinsame Versorgung über Vinzenz ambulant entschieden. Das hat den Vorteil, dass die Pflegekräfte länger vor Ort sind und flexibler agieren können. 

Geschulte Alltagsbegleiter unterstützen 
Geschulte Alltagsbegleiter haben währenddessen den Haushalt im Blick, helfen, wenn nötig, beim Essen, Duschen oder Waschen und unterstützen die WG-Mitglieder bei deren Aktivitäten. Vor allem aber haben sie offene Ohren und viel Geduld. „Ich finde den Umgang, den sie mit den dementen Menschen haben, wirklich toll“, sagt Heike Fahlberg. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien auch noch freundlich, wenn sie zum hundertsten Mal die gleiche Antwort geben. Als sehr positiv empfinden die Angehörigen auch, dass es nur sehr wenig Wechsel im Team gibt, viele der Mitarbeitenden sind von Anfang an dabei. 

Zusammenleben ganz wie Zuhause
Das Zusammenleben gestaltet sich in der WG wie in einem normalen Zuhause. So werden die WG-Mitglieder auch ermutigt, sich am Haushalt zu beteiligen – wenn sie möchten. Eine Bewohnerin kocht einmal die Woche für alle, andere beteiligen sich beim Kartoffel- oder Gemüseschälen, beim Wäschefalten oder Tischabräumen. Auch weitere Beschäftigungsangebote gibt es zur Genüge: Ein begeisterter Tischtennisspieler ist überglücklich, dass es eine Tischtennisplatte vor Ort gibt. Gymnastik mit Musik, Gedächtnistraining, Spielen oder gemeinsames Fernsehen stehen regelmäßig auf dem Programm – und darüber hinaus all das, was Angehörige anbieten. „Es ist schon mit unsere Aufgabe, das Ganze zu gestalten“, sagt Heike Fahlberg. Singen, Basteln, Spazierengehen, Kuchenbacken und mehr sind herzlich willkommen. Fahlberg selbst organisiert gerade ein Adventscafé und freut sich, dass sich bereits einige Angehörige dazu angemeldet haben. 

Info: In der Wohngemeinschaft in der Schwerzer Allee können maximal elf Personen mit Pflegebedarf (ab Pflegestufe 2) leben. Sie sind dann Mieter:in und haben ein eigenes, persönlich eingerichtetes Zimmer mit eigenem Bad. Der Wohnbereich, die Küche und der Balkon werden gemeinschaftlich genutzt. Die Wohngemeinschaft ist eine relativ kostengünstige Lösung, weil die Pflegeleistungen, anders als bei der stationären Pflege, ambulant abgerechnet werden. Die Betreuung erfolgt durch Alltagsbegleiter und Pflegefachkräfte. Die Angehörigen bringen sich in die WG ein und tauschen sich im Angehörigengremium aus.